Ob Mega-Boni à la Brady Dougan, Daniel Vasella und Co. moralisch verwerflich sind, ist eine individuelle Betrachtung. Ich denke nicht, dass die Herren - erstaunlicherweise eigentlich keine Damen - deswegen in die Dollar-Hölle kommen.
Dass solche Zahlungen aber ökonomisch verfehlt und volkswirtschaftlich falsch sind, zeigen nicht alleine die offensichtlich falschen Anreize, die gesetzt wurden, und so zur Wirtschafskrise mit beigetragen haben.
Neben dem betriebswirtschaftlichen Schaden sind solche Boni primär volkswirtschaftlich problematisch. Denn die (zu) hohen Löhne in der Finanzbranche führen dazu, dass auch andere Branchen unter massiven Lohndruck geraten. Wieso sollte ein Ingenieur sich für "nur" 120'000 Franken im Jahr bei einer Technologiefirma verdingen, wenn er leicht das x-fache als Analyst oder Investmentbanker verdienen könnte? Folglich müssen die anderen Branchen - wie geschehen - nachziehen. Dieser Lohndruck nach oben für Fachkräfte muss für den Werkplatz Schweiz zwangsläufig problematisch werden, machen doch der Finanzsektor nur rund 10% der Schweizer Wirtschaft aus. Dennoch dminiert er die politische und öffentliche Agenda weitgehend.
Ein weiterer Aspekt dieser Problematik ist, dass die exorbitant steigenden Löhne zu einen enormen Preisdruck für Wohnungen und Lebenshaltung führen. Selbstverständlich sind diese Löhne nicht der einzige Preistreiber im Wohnunssektor, doch spielen sie auch eine Rolle. Von diesem Preisdruck werden nun aber auch Gesellschaftsschichten erfasst, deren Saläre in den letzten Jahren nicht dermassen angestiegen sind.
Das gravierendste Problem eröffnet sich aber mit Blick auf die soziale Divergenz und die schwindende Loyalität. Zum einen gehen die Löhne innerhalb einer (Finanz-)Firma immer mehr auseinander. Zudem sind die Bonus-Systeme oft intransparent und es profitieren nicht alle in der Firme, was mittelfristig zu einer Spaltung der Belegschaft führt, da sich ein Teil davon nicht wertgeschätzt fühlt und dessen Loyalität schwindet. Ein Beleg dafür scheint die Tatsache zu sein, dass es oftmals Personen aus der IT-Abteilung sind, die von den Finanzmenschen, die in ihrer eigenen Welt leben, oftmals belächelt werden, dass es also IT-Angestellte sind, die Daten kopieren und damit Firmengeheimnisse nach aussen tragen bzw. verkaufen. Dieses firmeninterne Phänomen zeigt sich auch in der Gesellschaft. Klar, Spitzenverdiener gab es schon immer und wird es auch immer geben. Während es früher aber Unternehmer waren, die eigenes Geld in die eigene Firma stecken, sind es heute Heerscharen von "Verwaltern und Spezialisten", im Fachjargon CEO, Managing Director oder Head Investor Relationsship genannt, die sich zunehmend vom Mittelstand massiv abheben. Wenn dann noch die Politik kommt und Steuererleichterungen für Besserverdienende fordert, um diese anzulocken - man erinnere sich an die Preisspirale - dann fragt man sich als Angehöriger des Mittelstandes mit einem Einkommen von unter 200'000 Franken im Jahr, ob man nicht ein wenig verschauckelt wird. Denn hier wird ja die gleiche Leistung gleich doppelt belohnt, in Form von Boni und in Form von Steuersenkungen. Des weiteren wird es in schlechteren Zeiten einfach verdammt schwierig gegenüber der Belgeschaft und Gewerkschaften zu argumentieren, dass man kein Geld hat für Lohnerhöhungen oder diese gar senken muss, wenn gleichzeitig oben munter Geld verteilt wird. Obwohl kein Freund von Gewerkschaften, kann ich den Ärger und das Unverständnis, gepaart mit fehlender Kooperationsbereitschaft, durchaus nachvollziehen. Am Schluss ist es die Unternehmung die leidet, weil es nicht gelingt, die Kostenstruktur anzupassen.
Es stellt sich auch grundsätzlich die Frage, was denn ein "Bonus" eigentlich ist. Das Wort "Bonus" kommt vom Lateinischen Adjektiv "gut". Es ist also eine Belohnung für "gute Arbeit." Die Tendenzen in den letzten Jahren haben dieses Wort und der zugrundeliegende Gedanke völlid ad absurdum geführt. Schliesslich wurden solche "Boni" auch dann ausbezahlt, wenn die Arbeit offensichtlich nicht gut war, wie die aktuelle Krise zeigt. Wenn also die Leistung, angesichts der immensen angerichteten Schäden, offenkundig nicht mit der Entlöhnung zusammenhängt oder nur minim, dann muss ein bestehendes System in Frage gestellt werden.
Dabei spielt ein weiterer Faktor eine Rolle: eine Untersuchung im Auftrag des Schweizer Fernsehens (ECO) hat gezeigt, dass die Netto-Einnahmen pro Angestellten - also im weitesten Sinne die Produktivität - bei den kleinen Banken wie den Kantonal- und Raiffaisenbanken, die keine solch ausgeklügelten und genialen Anreizsysteme kennen, etwa doppelt so hoch sind wie bei den Grossbanken. Wenn nun also das Boni-System dazu da sein soll, die Mitarbeiter zu guten Leistungen anzuspornen und den Gewinn der Firma zu erhöhen, dann verfehlt es sein Ziel offensichtlich völlig und gehört abgeschaft.
Und was passiert, wenn diese Firma nun Gewinne schreibt? Eigentlich sollte das Geld jetzt an die Aktionäre verteilt werden, die als Geldgeber das Risiko tragen. Doch nein, die Leitung des Unternehmens tut so, als ob es ihr Geld wäre und verteilt es wenigstens teilweise unter sich. (Wobei natürlich eingeräumt werden muss, dass sich die Aktionäre leider zu wenig dagegen wehren.) Das Problem besteht dabei, dass Aktionäre, oft institutionelle Anleger, das Geld, das sie als Dividende erhalten würden, wieder anlegen und damit in den Wirtschaftskreislauf zurückfliessen lassen würden. Wenn dieser Gewinn nun an wenige Angestellte fliesst, führt dies neben den sozialen Spannungen dazu, dass es primär einmal einer kleinen Handvoll zu gute kommt, die das Geld dann horten. Oder glauben Sie wirklich, Brady Dougan gibt sein ganzes Vermögen aus? Kapitalakkumulation ist zwar etwas schönes für den Einzelnen, aber nicht unbedingt wünschenswert für die Gesamtwirtschaft.
Wer also Boni in der heutigen Form nicht schon aus ethischen Gründen ablehnt, sollte dies wenigstens aus volkswirtschaftlichen Gründen tun.
http://videoportal.sf.tv/video?id=6a123927-71b4-4d1d-815e-f25f22eaaf6e&referrer=http%3A%2F%2Fwww.sf.tv%2Fsendungen%2Feco%2Fsendung.php%3Fdocid%3D20100412
Donnerstag, 27. Mai 2010
Mittwoch, 19. Mai 2010
Free Jörg Kachelmann
Je länger der Monat Mai dauert, desto offensichtlicher wird es: Jörg Kachelmann ist doch ein Wettergott! (auf jeden Fall der viel mächtigere als Thomas Bucheli!) Denn ist Ihnen schon aufgefallen: seit Jörgi in U-Haft sitzt, ist das Wetter nur noch miserabel. Das kann kein Zufall sein. Aus diesem Grund fordere ich - und das im Namen der gesamten Tourismusindustrie: free Jörgi!
Dass er sich offensichtlich aufgeführt hat wie ein wildgewordener Zuchtbulle bzw. ein Kleinstadt-Zuhälter, kann leider keine Rolle mehr spielen, schliesslich stehen nationale Interessen auf dem Spiel!
Dass er sich offensichtlich aufgeführt hat wie ein wildgewordener Zuchtbulle bzw. ein Kleinstadt-Zuhälter, kann leider keine Rolle mehr spielen, schliesslich stehen nationale Interessen auf dem Spiel!
Mittwoch, 21. April 2010
Wandergruppe "Waldvogel" - wieso nur?
Kaum werden die Tage wärmer und spriessen überall die ersten Knospen, sind sind sie wieder da. Nein, die Rede ist nicht von den Pollen. Auch nicht von den Schwalben, die angeblich den Sommer machen sollen. Nein, ein viel untrüglicheres Zeichen für den real existierenden Frühling sind die aus allen Ecken hervorkommenden, scheinbar omnipräsenten Senioren-Wandergruppen.
Wer kennt das nicht: früher Morgen, Pendlerverkehr. Der Zug voll, alle dämmern noch schläfrig vor sich hin, sind allenfalls tief und friedlich hinter ihren Zeitungen verborgen. Doch dann, jäh wird die Stille zerrissen durch das überlaute, lustig fröhliche Geplärre einer ganzen Horde der Spezies "Homo sapiens pensionisticus rotsockiensis". Diese Spezies taucht bevorzugt in wandernden Gruppen auf, trägt stockartige Geweihe und geht einem als Berufspendler mit der lauten Guten-Morgen Stimmung so was auf den Kecks, dass einem die Milch im Kaffee sauer wird.
Doch viel schlimmer am Abend: 1700 Uhr, Rush hour. Auch jetzt die Züge überfül
lt, alle hundemüde vom Arbeiten. Und was passiert? Kurz vor Abfahrt stürmt die Wandergruppe "Waldvogel" in den Wagen und beginnt fuchtelnd und schweissmiefend die müden Berufstätigen von den Sitzen zu vertreiben. Schliesslich hat "man" ja reserviert! Amokläufe und Schlägereien drohen.
Für den werktätigen, rationalen Menschen ist es nun wirklich nicht einsichtig, wieso Seniorenwandergruppen immer genau zur Rush-Hour heimreisen müssen. Auch sie müssten doch einsehen, dass die Züge eh schon überfüllt sind. Bei Schulklassen habe ich ja noch Verständnis, mit Primarschülern kann man nicht beliebig spät zu Haus sein. Aber Pensionäre? Was bitte schön spielt es für sie schon eine Rolle, wenn sie eine Stunde später oder gar erst um 2200 Uhr zu Hause sind? Sie können ausschlafen! Aber nein, schliesslich hat man reserviert und es ist ein gottgegebenes Menschenrecht, zur Rush-Hour müde Pendler zu tyrannisieren!
Aber es muss ja nicht immer die Wandergruppe "Waldvogel" sein. Nein, die Verschwörung der Rentner gegen die Berufstätigen ist viel umfassender! Wer kennt das nicht: Schlag zwölf, alle strömen aus dem Geschäft und versuchen ihre 60 Minuten Mittagspause optimal zu nutzen. Schnurstracks steuert man das Migros-Restaurant an. Doch wer sitzt schon da: alle Pensionäre! Obwohl sie den ganzen Morgen und den ganzen Nachmittag Zeit hätten, ihre Mittagessen einzunehmen, blockieren sie just zur Essens-Rush-Hour die Hälfte der Plätze. Schliesslich hat man schon immer um 12 Uhr gegessen und schliesslich sind die Zeitungen gratis! Aber halt: essen ist zu viel gesagt. Es ist ja maximal ein Canapé. Mich würde das als Wirt schon auf die Palme bringen: da könnte ich dutzende Mahlzeiten verkaufen, kann es aber nicht, weil die Plätze von Canapé-essenden Rentnern belegt sind!
Und am Feierabend dieselbe Leier: obwohl sie den ganzen Tag Zeit hätten, schaffen es offensichtlich die Rentner nicht vor 1800 Uhr, ihre Einkäufe zu erledigen. Offenkundig dauert es so lange, um im Migros-Restaurant die Zeitung fertig zu lesen. Wenn also alle Arbeitnehmer in den Laden strömen, um noch kurz die Einkäufe zu erledigen, stehen sie schon da: die Rentner.
Deshalb gibt es nur eine realistische Forderung: eine Ausgangssperre für Pensionierte von 11-13 Uhr und von 17-19 Uhr. Und die SBB sollen endlich aufhören, in der Rush-Hour Platzreservationen auszustellen!
Wer kennt das nicht: früher Morgen, Pendlerverkehr. Der Zug voll, alle dämmern noch schläfrig vor sich hin, sind allenfalls tief und friedlich hinter ihren Zeitungen verborgen. Doch dann, jäh wird die Stille zerrissen durch das überlaute, lustig fröhliche Geplärre einer ganzen Horde der Spezies "Homo sapiens pensionisticus rotsockiensis". Diese Spezies taucht bevorzugt in wandernden Gruppen auf, trägt stockartige Geweihe und geht einem als Berufspendler mit der lauten Guten-Morgen Stimmung so was auf den Kecks, dass einem die Milch im Kaffee sauer wird.
Doch viel schlimmer am Abend: 1700 Uhr, Rush hour. Auch jetzt die Züge überfül
lt, alle hundemüde vom Arbeiten. Und was passiert? Kurz vor Abfahrt stürmt die Wandergruppe "Waldvogel" in den Wagen und beginnt fuchtelnd und schweissmiefend die müden Berufstätigen von den Sitzen zu vertreiben. Schliesslich hat "man" ja reserviert! Amokläufe und Schlägereien drohen.Für den werktätigen, rationalen Menschen ist es nun wirklich nicht einsichtig, wieso Seniorenwandergruppen immer genau zur Rush-Hour heimreisen müssen. Auch sie müssten doch einsehen, dass die Züge eh schon überfüllt sind. Bei Schulklassen habe ich ja noch Verständnis, mit Primarschülern kann man nicht beliebig spät zu Haus sein. Aber Pensionäre? Was bitte schön spielt es für sie schon eine Rolle, wenn sie eine Stunde später oder gar erst um 2200 Uhr zu Hause sind? Sie können ausschlafen! Aber nein, schliesslich hat man reserviert und es ist ein gottgegebenes Menschenrecht, zur Rush-Hour müde Pendler zu tyrannisieren!
Aber es muss ja nicht immer die Wandergruppe "Waldvogel" sein. Nein, die Verschwörung der Rentner gegen die Berufstätigen ist viel umfassender! Wer kennt das nicht: Schlag zwölf, alle strömen aus dem Geschäft und versuchen ihre 60 Minuten Mittagspause optimal zu nutzen. Schnurstracks steuert man das Migros-Restaurant an. Doch wer sitzt schon da: alle Pensionäre! Obwohl sie den ganzen Morgen und den ganzen Nachmittag Zeit hätten, ihre Mittagessen einzunehmen, blockieren sie just zur Essens-Rush-Hour die Hälfte der Plätze. Schliesslich hat man schon immer um 12 Uhr gegessen und schliesslich sind die Zeitungen gratis! Aber halt: essen ist zu viel gesagt. Es ist ja maximal ein Canapé. Mich würde das als Wirt schon auf die Palme bringen: da könnte ich dutzende Mahlzeiten verkaufen, kann es aber nicht, weil die Plätze von Canapé-essenden Rentnern belegt sind!
Und am Feierabend dieselbe Leier: obwohl sie den ganzen Tag Zeit hätten, schaffen es offensichtlich die Rentner nicht vor 1800 Uhr, ihre Einkäufe zu erledigen. Offenkundig dauert es so lange, um im Migros-Restaurant die Zeitung fertig zu lesen. Wenn also alle Arbeitnehmer in den Laden strömen, um noch kurz die Einkäufe zu erledigen, stehen sie schon da: die Rentner.
Deshalb gibt es nur eine realistische Forderung: eine Ausgangssperre für Pensionierte von 11-13 Uhr und von 17-19 Uhr. Und die SBB sollen endlich aufhören, in der Rush-Hour Platzreservationen auszustellen!
Sonntag, 7. März 2010
Der „deutsche Filz an Schweizer Unis“ – das Pferd falsch aufgezäumt
Vor einigen Wochen entdeckte die SVP ein neues Wahlkampfthema: der deutsche Filz an Schweizer Universitäten. Die Kosovaren hat’s gefreut, endlich kommt mal jemand anderes dran. 
Abgesehen davon, dass es mir als Student eigentlich egal ist, woher ein Professor kommt, so lang er kompetent ist und den Studenten etwas bietet, zeigt die „Diskussion“ des Themas, wie ein echtes Problem von der völlig falschen Seite her angegangen wird.
Des Pudels Kern ist nämlich weniger die Frage, wieso es so viele deutsche Professoren an den Schweizer Universitäten gibt, sondern wieso es so wenige Schweizer gibt, die sich für eine akademische Laufbahn entscheiden oder auch nur einen Doktortitel anstreben. Die Antwort ist simpel: es ist absolut unattraktiv zu promovieren. Dies aus mehreren Gründen:
Zum einen gelten Titel und Ämter in der traditionell egalitären Schweiz weniger als z.B. in Deutschland, den USA oder Österreich, wo man sogar als normaler Studienabgänger bisweilen noch mit „Herr Magister“ angesprochen wird. Damit zusammen hängt auch, dass der Doktorgrad in der Schweiz weniger zentral für das berufliche Vorwärtskommen ist. Es gibt in jedem Fall Positionen im Berufsleben, wo ein Doktortitel unerlässlich ist, doch dies ist die Minderheit. In anderen Ländern sieht das anders aus, was auch erklärt, wieso so viele deutsche Studenten an Schweizer Unis promovieren.
Zum anderen stimmen die institutionellen und finanziellen Rahmenbedingungen nicht. Gerade finanziell muss sich ein Student nach dem Master schon die Frage stellen, ob sich ein Doktorat lohnt. Je nach Studium steigt er nämlich mit einem Jahreslohn von um die CHF 100‘000 ins Berufsleben ein. Demgegenüber steht die Option, entweder vollzeit zu doktorieren und dann gar kein Einkommen zu haben, oder sich als Assistent bei einem Professor zu verdingen. Damit kommt er vielleicht auf einen Jahreslohn von ca. CHF 35 -40‘000. Geht man davon aus, dass ein Doktorat zwei Jahre dauert, so „kosten“ diese Jahre einen Lohnausfall zwischen 120‘000 – 130‘000 Franken. Zudem habe ich dann zwar ein Doktorat, aber immer noch keine Berufserfahrung. Wenn ich dann noch bedenke, dass mir das Doktorat gar nicht so viel einbringt später, muss ich mir schon die Frage stellen, ob ich diese Zeit aufwenden will.
Man mag jetzt einwenden, dass es den Schweizer Doktoranden noch gut gehe, dass man in den USA z.B. praktisch gar nichts verdiene als Assistent und die Schweizer deshalb einfach alles verweichlichte Huschelis seien. Dies mag sein, doch der Vergleich hinkt. Das wäre etwa gleich, wie wenn man einem Schweizer Arbeitslosen vorwerfen würde, wieso er sich keine Stelle in Rumänien suche, wo er Arbeit habe aber einen Lohn von CHF 10.- pro Tag. Zudem bringt das Doktorat in den USA nach dem Abschluss mehr als in der Schweiz (s.h. oben)
Die Wurzeln des Problems liegen aber noch tiefer. Sie sind darin zu suchen, dass es viel zu wenige Assistenzstellen gibt. Auch der Mittelbau an Schweizer Unis ist nicht gerade super dotiert. So hat ein Student, der es sich nicht leisten kann, vollzeit zu doktorieren, nur die Wahl, als Assistent zu arbeiten, wovon es aber wenige gibt. Zudem gipfelt das Dasein als Assistent häufig darin, dass man der Laufbursche des betreuenden Professors ist. Anstatt an der eigenen Arbeit schreiben zu können, dient man als Zulieferer für den Dozenten. Da dieser Betreuer und Bewerter in Personalunion ist, kann Aufmucken gefährlich sein. Und wenn man dann doch sein Doktorat fertig hat und sich für die akademische Laufbahn entscheidet, dann wird man oft jahrelang aufs Abstellgleis gestellt und darf warten, bis man berufen wird. Denn die Zahl der Professuren wie auch die Zahl der Oberassistenten wird aus Kostengründen klein gehalten, obwohl Bologna genau das Gegenteil versprochen hat.
Wer also weniger Deutsche an den Schweizer Universitäten will, sollte zuerst die Attraktivität der wissenschaftlichen Karriere gegenüber der Privatwirtschaft stärken. Der Weg dazu führt über einen Ausbau des akademischen Mittelbaus (Assisteten, Oberassistenten), womit gleichzeitig endlich ein Versprechen der Bologna-Reform eingelöst werden könnte, nämlich die Verbesserung des Betreuungsverhältnisses an unseren Universitäten.
Und übrigens: es arbeiten mehr Schweizer Professoren in Deutschland als umgekehrt.
Bildquelle: badische-zeitung.de

Abgesehen davon, dass es mir als Student eigentlich egal ist, woher ein Professor kommt, so lang er kompetent ist und den Studenten etwas bietet, zeigt die „Diskussion“ des Themas, wie ein echtes Problem von der völlig falschen Seite her angegangen wird.
Des Pudels Kern ist nämlich weniger die Frage, wieso es so viele deutsche Professoren an den Schweizer Universitäten gibt, sondern wieso es so wenige Schweizer gibt, die sich für eine akademische Laufbahn entscheiden oder auch nur einen Doktortitel anstreben. Die Antwort ist simpel: es ist absolut unattraktiv zu promovieren. Dies aus mehreren Gründen:
Zum einen gelten Titel und Ämter in der traditionell egalitären Schweiz weniger als z.B. in Deutschland, den USA oder Österreich, wo man sogar als normaler Studienabgänger bisweilen noch mit „Herr Magister“ angesprochen wird. Damit zusammen hängt auch, dass der Doktorgrad in der Schweiz weniger zentral für das berufliche Vorwärtskommen ist. Es gibt in jedem Fall Positionen im Berufsleben, wo ein Doktortitel unerlässlich ist, doch dies ist die Minderheit. In anderen Ländern sieht das anders aus, was auch erklärt, wieso so viele deutsche Studenten an Schweizer Unis promovieren.
Zum anderen stimmen die institutionellen und finanziellen Rahmenbedingungen nicht. Gerade finanziell muss sich ein Student nach dem Master schon die Frage stellen, ob sich ein Doktorat lohnt. Je nach Studium steigt er nämlich mit einem Jahreslohn von um die CHF 100‘000 ins Berufsleben ein. Demgegenüber steht die Option, entweder vollzeit zu doktorieren und dann gar kein Einkommen zu haben, oder sich als Assistent bei einem Professor zu verdingen. Damit kommt er vielleicht auf einen Jahreslohn von ca. CHF 35 -40‘000. Geht man davon aus, dass ein Doktorat zwei Jahre dauert, so „kosten“ diese Jahre einen Lohnausfall zwischen 120‘000 – 130‘000 Franken. Zudem habe ich dann zwar ein Doktorat, aber immer noch keine Berufserfahrung. Wenn ich dann noch bedenke, dass mir das Doktorat gar nicht so viel einbringt später, muss ich mir schon die Frage stellen, ob ich diese Zeit aufwenden will.
Man mag jetzt einwenden, dass es den Schweizer Doktoranden noch gut gehe, dass man in den USA z.B. praktisch gar nichts verdiene als Assistent und die Schweizer deshalb einfach alles verweichlichte Huschelis seien. Dies mag sein, doch der Vergleich hinkt. Das wäre etwa gleich, wie wenn man einem Schweizer Arbeitslosen vorwerfen würde, wieso er sich keine Stelle in Rumänien suche, wo er Arbeit habe aber einen Lohn von CHF 10.- pro Tag. Zudem bringt das Doktorat in den USA nach dem Abschluss mehr als in der Schweiz (s.h. oben)
Die Wurzeln des Problems liegen aber noch tiefer. Sie sind darin zu suchen, dass es viel zu wenige Assistenzstellen gibt. Auch der Mittelbau an Schweizer Unis ist nicht gerade super dotiert. So hat ein Student, der es sich nicht leisten kann, vollzeit zu doktorieren, nur die Wahl, als Assistent zu arbeiten, wovon es aber wenige gibt. Zudem gipfelt das Dasein als Assistent häufig darin, dass man der Laufbursche des betreuenden Professors ist. Anstatt an der eigenen Arbeit schreiben zu können, dient man als Zulieferer für den Dozenten. Da dieser Betreuer und Bewerter in Personalunion ist, kann Aufmucken gefährlich sein. Und wenn man dann doch sein Doktorat fertig hat und sich für die akademische Laufbahn entscheidet, dann wird man oft jahrelang aufs Abstellgleis gestellt und darf warten, bis man berufen wird. Denn die Zahl der Professuren wie auch die Zahl der Oberassistenten wird aus Kostengründen klein gehalten, obwohl Bologna genau das Gegenteil versprochen hat.
Wer also weniger Deutsche an den Schweizer Universitäten will, sollte zuerst die Attraktivität der wissenschaftlichen Karriere gegenüber der Privatwirtschaft stärken. Der Weg dazu führt über einen Ausbau des akademischen Mittelbaus (Assisteten, Oberassistenten), womit gleichzeitig endlich ein Versprechen der Bologna-Reform eingelöst werden könnte, nämlich die Verbesserung des Betreuungsverhältnisses an unseren Universitäten.
Und übrigens: es arbeiten mehr Schweizer Professoren in Deutschland als umgekehrt.
Bildquelle: badische-zeitung.de
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Sonntag, 28. Februar 2010
Endlich: Aufgabe für die Schweizer Armee gefunden!
Ach ja, der liebe Onkel Gadhafi, hat er es doch wieder mal in die Zeitung gadhafft. Die Schweiz befindet sich ja seit letzter Woche nun offiziell im Heiligen Krieg mit der islamischen Welt oder zumindest mit dem erklärten Rechtsstaat Lybien. Einige sind darüber empört, doch - so berichten Insider - zumindest ein Schweizer Politiker soll sich über die Nachricht der "Kriegserklärung" gefreut haben: Bundesrat Ueli Maurer.Denn was könnte einem Armee-Minister in Zeiten wie diesen besseres passieren als ein kleiner Dschihad? Endlich, endlich hat die Schweizer Armee wieder einen Feind, befindet sich sogar im Kriegszustand! Endlich eine Legitimation. Damit sollte es eigentlich ein leichtes sein, alle künftigen Rüstungskredite in doppelter und dreicher Höhe durchs Parlament zu bringen. Immerhin sind wir ja im Krieg. Ein Schelm, der Ueli Maurer unterstellt, er habe seinen Kollegen Hansruedi Merz dazu überredet, nach Lybien zu fliegen. Dies mit der Hoffnung, dass der Hansruedi die Situation schon noch schlimmer mache.
Nun lassen sich auch wieder lebensnahe Übungsszenarien für die Manöver und WK entwerfen. "Massive lybische Panzerverbände sind über den französischen Jura ins Mittelland vorgestossen. Unterstützt werden sie von lybischen Kampfkamelen und der Beduinen-Luftwaffe. Gruppe Rot erhält den Auftrag, die Kamel-Kavallerie durch gezielte Angriffe auf die Flanke zu zerstören...."
Interessant ist es ja, dass Colonel Gadhafi alle Muslime verdammt, die mit dem Land der Ungläubigen Schweizer Handel treiben oder sonstwie Kontakt pflegen. Es drängt sich dann da die Frage auf, ob er jetzt seine TAMOIL-Tankstellen und die Raffinerie schliesst oder verkauft? Am besten wäre es wohl, wir würden diese gleich verstaatlichen. So wie den Schweizern in Lybien Visavergehen vorgeworfen werden, lassen sich sicher bei TAMOIL einige Ungereimtheiten in der Steuererklärung finden.
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Alles Steuerbetrug oder was?
In seinem Leserbrief in der NZZ vom 27. Februar 2010 erklärt der Fürsprecher Hans Beat Gamper den sich leider nicht ganz auf der Höhe befindenden Lesern – er erwähnt dabei explizit Baumeister und Lehrer - nochmals den Unterschied zwischen Steuerhinterziehung (passives Verhalten, einfach „Nicht-Deklaration“) und Steuerbetrug (aktives Fälschen von Dokumenten mit krimineller Energie).
Als Angehöriger dieser geistig offenbar minderbemittelten Schicht (Lehrer) kann ich Herrn Gamper versichern, dass zumindest mir der Unterschied sehr wohl klar ist, auch ohne zusätzliche Erklärung. Aber vielleicht kann Herr Gamper noch folgendes erklären: Wie kann es passieren, dass man – vorausgesetzt man ist nicht schwer demenzkrank – einfach so „vergisst“, einen beträchtlichen Betrag seines Vermögens zu erwähnen. Wie kann es z.B. im Fall von Herrn Zumwinkel von der Deutschen Post geschehen, dass man einfach 20 Mio. „vergisst“? Wenn das Bill Gates mit seinen 40 Mia. passiert, kann ich das ja verstehen, aber bei „Normalreichen“? (OK, ich gebe zu, das passiert mir auch jeden Tag ein-, zweimal.) Zumal das „Vergesen“ ja dadurch gefördert wird, dass man seine Bank anweist, allfällige Kontoauszüge bitte doch nicht nach Deutschland et al. zu schicken.
Ich habe als Bürger da einfach ein wenig Mühe zu begreifen, dass es für dieses „Vergessen“ keine kriminelle Energie braucht.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass man für jedes Sparkonto mit ein paar Tausend Franken drauf, das man wirklich mal übersehen kann, gleich kriminalisiert werden soll. Aber wenn man über Jahre „vergisst“, einen schönen Teil seines Vermögens zu deklarieren, hört das intellektuelle Begreifen bei mir irgendwann auf.
Als Angehöriger dieser geistig offenbar minderbemittelten Schicht (Lehrer) kann ich Herrn Gamper versichern, dass zumindest mir der Unterschied sehr wohl klar ist, auch ohne zusätzliche Erklärung. Aber vielleicht kann Herr Gamper noch folgendes erklären: Wie kann es passieren, dass man – vorausgesetzt man ist nicht schwer demenzkrank – einfach so „vergisst“, einen beträchtlichen Betrag seines Vermögens zu erwähnen. Wie kann es z.B. im Fall von Herrn Zumwinkel von der Deutschen Post geschehen, dass man einfach 20 Mio. „vergisst“? Wenn das Bill Gates mit seinen 40 Mia. passiert, kann ich das ja verstehen, aber bei „Normalreichen“? (OK, ich gebe zu, das passiert mir auch jeden Tag ein-, zweimal.) Zumal das „Vergesen“ ja dadurch gefördert wird, dass man seine Bank anweist, allfällige Kontoauszüge bitte doch nicht nach Deutschland et al. zu schicken.
Ich habe als Bürger da einfach ein wenig Mühe zu begreifen, dass es für dieses „Vergessen“ keine kriminelle Energie braucht.
Ich bin auch nicht der Meinung, dass man für jedes Sparkonto mit ein paar Tausend Franken drauf, das man wirklich mal übersehen kann, gleich kriminalisiert werden soll. Aber wenn man über Jahre „vergisst“, einen schönen Teil seines Vermögens zu deklarieren, hört das intellektuelle Begreifen bei mir irgendwann auf.
Dienstag, 16. Februar 2010
Geiselhaft
Als Gegenmassnahme zu der erschwerten Einreise in den EU-Schengen-Raum für lybische Staatsangehörige - von der Schweiz als Mitglied des Schengen-Raumes erwirkt - dürfen jetzt EU-Bürger nicht mehr nach Lybien reisen, was gewisse Länder offensichtlich weh tut.
So erdreistete sich der der italienische Aussenminister Franco Frattini zu der Aussage, die Schweiz nehme die anderen Schengen-Länder als Geisel. Dieser Ausspruch grenzt an unerhörten Zynismus, wenn man bedenkt, wo denn die wirklichen Geiseln sitzen und wer da wen zur Geisel nimmt. Auf jeden Fall soll jetzt von Seiten der EU Druck auf die Schweiz aufgebaut werden.
Es ist doch wieder einmal sehr erhellend zu sehen, wie gewissen Ländern ein dahergelaufener lybischer Diktator, der rein zufällig auf Öl und Gas sitzt, offensichtlich näher liegt als ein zuverlässiger, "befreundeter", rechtsstaatlich zuverlässiger Nachbar.
So erdreistete sich der der italienische Aussenminister Franco Frattini zu der Aussage, die Schweiz nehme die anderen Schengen-Länder als Geisel. Dieser Ausspruch grenzt an unerhörten Zynismus, wenn man bedenkt, wo denn die wirklichen Geiseln sitzen und wer da wen zur Geisel nimmt. Auf jeden Fall soll jetzt von Seiten der EU Druck auf die Schweiz aufgebaut werden.
Es ist doch wieder einmal sehr erhellend zu sehen, wie gewissen Ländern ein dahergelaufener lybischer Diktator, der rein zufällig auf Öl und Gas sitzt, offensichtlich näher liegt als ein zuverlässiger, "befreundeter", rechtsstaatlich zuverlässiger Nachbar.
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