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Freitag, 10. September 2010

Kommt die bürgerliche Mehrheit im Bundesrat?

In der Schweiz stehen Neuwahlen an in den Bundesrat. Grundsätzlich könnte es spannend werden, schliesslich will die SVP den Sitz der SP bzw. der FDP, die Grünen denjenigen der FDP bzw. der SP, die CVP weiss nicht, ob sie jetzt die SVP, die SP oder die FDP unterstützen soll. Denn sollte jetze ein beliebte(r) FDP Bundesrat bzw. -in gewählt werden, wird es für die CVP sehr schwer werden, in den nächsten Jahren einen zweiten Sitz zu ergattern. Ausser sie möchte sich die Bürde antun, die im Volk beliebte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im nächsten Jahr abzuwählen.

Doch nun ist bekannt geworden, mit welcher Strategie die SVP in den nächsten Jahren für eine rechtsbürgerliche Mehrheit im Bundesrat sorgen will. Und zwar hat der Vorstand auf die nächste Sitzung hin den Parteiausschluss von BR Ueli Maurer traktandiert, weil er jetzt doch keine neuen Kampfjets kauft und und so den lybischen Angriffen erbarmungslos bzw. wehrlos aussetzt. Der Plan ist einfach: wenn Ueli Maurer aus der Partei ausgeschlossen ist, kann die SVP drauf pochen, dass sie trotz ihrer 30%igen Volksmehrheit in der Landesregierung völlig untervertreten sei. Sie wird deshalb den Anspruch stellen, dass entweder der Sitz der SP oder der FDP an sie geht. Wenn dann der SVP Kandidat - eine Kandidatin ist ziemlich unwahrscheinlich - gewählt ist, schliesst man auch diesen aus der Partei aus. Das Spiel macht man so lange, bis man neben Maurer, Widmer-Schlumpf und dem Neuen eine Mehrheit von mindestens 5 Bundesräten hat.

Irgendwie clever die SVPler, nicht?

Montag, 14. Dezember 2009

Journalistisches Sprach(miss)verständnis

Am 17. November 2009 bewies David Toracosso von der Zeitung 20minuten, dass Sprache eben doch mehr ist als die simple Aneinanderreihung von Wörtern unter Einhaltung gewisser Regeln. Zugegeben, es ist heutzutage schon eine grosse Leistung, diese Regeln nach der Reform der Reform der Rechtschreibreform zu beherrschen und man muss den Hut ziehen vor all denen, die das auf die Reihe gekriegt haben, aber, und das ist der Punkt: Wörter erhalten je nach Zusammenhang auch ganz andere, zusätzliche Bedeutung. So dünkt die untenstehende Schlagzeile doch sehr gewagt: „Gay-Bordell: Angst vor Lärm und Verkehr.“ Nochmals langsam: „Gay-Bordell: Angst vor Lärm und Verkehr.“
Es stellen sich in diesem Zusammenhang mehrere Fragen:

a) es ist leicht einsehbar, dass ein (Gay-)Bordell Verkehr mit sich bringt. Wovon sollen die armen Leutchen denn leben, wenn es dort keinen Verkehr gibt? Und wer würde dort überhaupt hingehen?
b) Bringt der Verkehr in einem Gay-Bordell mehr Lärm mit sich als in einem normalen Bordell? (Sorry, ich bin da zu wenig bewandert, um hier abschliessend Auskunft geben zu können.)
c) Haben Besucher eines Gay-Bordells einen narzisstischen Hang zur Selbstdarstellung, dass damit Gerechnet wird, dass die dort gleich im Auto-Corso und aufgedrehter Stereo-Anlage vorfahren? Grundsätzlich kann man wohl davon ausgehen, dass Besucher eines Bordells dies sehr diskret tun, man will ja schliesslich nicht vom Nachbarn gesehen werden.
Kurz und gut: es wird offensichtlich, dass zumindest das Wort „Verkehr“ im Zusammenhang mit einem Bordell sehr unglücklich gewählt ist. Wie wär’s denn einfach mit „Autos“?